Vereinsausflug 2013

Vereinsausflug
Taminaschlucht & Bündner Herrschaft

07.00: Pünktlich wie die Schweizeruhr trafen sich die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum heutigen Tagesausflug der Theatergesellschaft Meggen.

Kurze Orientierung, Einsteigen und schon waren wir auf der Fahrt mit den neusten, erst vor drei Wochen in Verkehr gesetzten, Setra-Autocar der Firma Gössi, Richtung Merlischachen, Küssnacht, Autobahn Richtung Hirzel. Auf dem Weg zu unserm Reiseziel, Bad Ragaz wurde die Fahrt durch die schönen Landschaften und der Linthebene entlang genossen. Wie vorgesehen sind wir um 09.00 am Bahnhof Bad Ragaz angekommen. Nun mussten wir in das für die vorgesehene Strecke konzessionierte Postauto umsteigen. Den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat dieser Auftakt einen positiven Eindruck hinterlassen.

 

Bevor wir das weitere Programm in Angriff nahmen, stärkten wir uns im altehrwürdigen Restaurant „Altes Bad Pfäfers“ mit Kaffee und Gipfeli.

Während dieser Pause orientierte uns Edi Reber, Geschäftsleiter und Stiftungsratsmitglied der Stiftung Altes Bad Pfäfers über die Geschichte dieses wohl einmaligen Gebäudes.

Um 1240 entdeckten zwei Jäger der Benediktinerabtei Pfäfers die warme Quelle. Die Mönche erkannten bald, dass die Quelle Kraft besitzt, Kranke zu heilen. Die Heilungssuchenden badeten in den in Fels gehauenen Badekammern und verweilten dort während 6–7 Tagen, Tag und Nacht. Sie wurden in Körben an Seilen in den schrecklichen Ort tiefer Verlassenheit herabgelassen. Ab 1350 baute man hölzerne Badehäuser quer über die tosende Tamina. 1630 wurde das Quellwasser in lärchenen Teucheln (Leitungen) 450 m aus der Schlucht herausgeleitet, und es wurde das erste Badehaus erstellt. Zwischen 1704–1718 errichtete Fürstabt Bonifaz II zur Gilgen die heute noch teilweise erhaltenen Badegebäude. 1838, nach Auflösung der Benediktinerabtei von Pfäfers, gelangten Quelle und Badehäuser in den Besitz des Kantons St. Gallen, und ab 1840 wurde das Thermalwasser auch talwärts geleitet, wo der Kurort Bad Ragaz entstand. Bad Pfäfers stellte 1969 seinen Betrieb ein und wurde schliesslich in drei Etappen zwischen 1983–1995 restauriert. Das Kloster- und Badmuseum, die Paracelsus-Gedenkstätte und eine ursprünglich barocke, nach 1800 im neugotischen Stil erneuerte Kapelle laden zur Besichtigung ein. Edi Reber erzählte auch von Episoden die während der Renovation dieses Gebäudes vorkamen. Es war vorgesehen, dass dieses Gebäude durch eine Sprengübung der  Armee dem Erdboden gleich gemacht werden sollte. Weil ein mutiger Offizier „Befehlsverweigerung“ machte und Einspruch gegen dieses Vorhaben einlegte, wurde der Abbruch verhindert. Nach vielen Besprechungen, Expertisen und Grabenkämpfen zwischen Kanton und Gemeinden sowie anderen Institutionen, wurde entschieden, dass dieses Gebäude der Nachwelt erhalten bleiben soll. Das alte Bad Pfäfers beherbergt auch ein wunderschönes Museum das ausführlich über die Geschichte dieses Hauses und die damalige Badezeit darstellt. Besten Dank unserem Gastgeber Edi Reber, für seine mit Herzblut vorgetragenen Erklärungen zu diesem einmaligen Bauwerk.

Nach diesem geschichtlichen Rückblick machte sich die Theaterfamilie auf den Weg in die Quellschlucht. Ab dem ehemaligen Kurhotel bis zur Warmwasserquelle hat die Schlucht diesen Namen. Auf dem 10 minütigen Fussmarsch konnte man die Auswirkungen des Wassers auf unsere Weltgestaltung auf eindrücklichste Art erleben. Es ist schwer sich vorzustellen, dass hier in dieser furchterregenden Schlucht vor einigen hundert Jahren Menschen Badeferien - heute Wellness  - genossen haben sollten.

Das zweite Etappenziel ist erreicht: Die Warmwasserquelle in der Quellschlucht Tamina. Dieser Anblick – sozusagen „ im Innern“ dieses gewaltigen Bergmassives - ist sehr eindrücklich, man spürt wie klein der Mensch ist. Das vor uns aus dem Felsen quellende Wasser ist vor 10 Jahren im Tödigebiet versickert und entlang der kristallinen Gesteinsschichten bis zu dieser Quelle geflossen. Sie liefert 4‘000 Liter pro Minute mit einer Temperatur von 36.5° C. Es ist eine Akratotherme, eine reine Warmwasserquelle mit einem sehr schwachen Mineralien Gehalt.

Nachdem wir diese Eindrücke in dieser einmaligen Natur erlebendurften, machten wir uns auf den Rückweg in das ehemalige Kurhotel. Es blieb genügend Zeit, die wunderschöne und eindrückliche Ausstellung im Hause so wie die Hauskapelle zu besichtigen. Im Keller konnte man die damaligen Badeanlagen bestaunen. Ich glaube, dass diese Anlagen nicht mehr den heutigen Hygienevorschriften entsprechen dürften, und dass keiner der Besucher – und schon gar nicht eine der heutigen Besucherinnen! -  in einer dieser Wannen baden möchte.


Punkt 11.00 Uhr trafen wir uns in der Alten Küche zum Apéro. Das Küchen-Team hatte uns köstlichste Leckerbissen aus dem Bündnerland bereit gestellt.

Aus dem Weinkeller konnten wir einen gute Tropfen Müller-Thurgau Auslese 2012 mit dem Namen „Portaser“ geniessen. Gewachsen an der Porta Romana auf 720 Meter  über Meer, das ist der höchstgelegene Rebberg in der Ostschweiz und liegt bei Pfäfers oberhalb von  Bad Ragaz. Geschützt nach Nordwest von den mächtigen Nummulitenkalk-Felsen. Der gegen Süden ausgerichtete Weinberg ist offen für Sonne und Föhn.

Der Namen dieses sehr guten Weines bezieht sich auf die alte römische Handelsstrasse Porta Romana. Die ersten Reben für diesen Wein wurden erst vor 10 Jahren angebaut. Dank meinen guten Beziehungen zu Herrn Reber und dem unermüdlichen „Drängelen“ konnten wir ein Glas dieses einmaligen Produktes degustieren. Bei guten Gesprächen und Diskussionen verflog die Zeit rasend schnell, und wir mussten wieder auf die Reise.

Weinberg auf dem dieser wunderschöne Weisswein mit dem wohlklingenden Namen Portaser wächst.

720 m.ü. Meer in Pfäfers über Bad Ragaz

Nicht zu Fuss oder mit dem Postauto, sondern mit der Rösslipost genossen wir die Fahrt durch die Taminaschlucht zurück nach Bad Ragaz. Die drei Wagen gezogen von je zwei stolzen Pferden erregten auch die Aufmerksamkeit der Touristen im weltbekannten Kurort Bad Ragaz. Wir durchquerten das Dorf, fuhren durch den wunderbar angelegten Giesenpark zum Rhein. Ein kurzes Stück auf den Rheindamm und dann über die Kantonsstrasse nach Maienfeld.

Seit 831 ist die Existenz dieser Gemeinde dokumentiert. Maienfeld ist die dritte Stadt am Rhein. Im 11.  oder 12.  Jahrhundert hat Maienfeld die Stadtrechte erhalten (1434 erstmals dokumentiert). Maienfeld hatte eine Stadtmauer mit drei Eingangstoren. Die Stadtmauer ist heute nicht mehr vorhanden. Das Schloss Brandis und das Schloss Salenegg sind die wohl markantesten Bauten von Maienfeld. Maienfeld ist stark landwirtschaftlich geprägt, nebst der Milchwirtschaft bildet der Anbau von Frucht[1] einen grossen Anteil des landwirtschaftlichen Einkommens. Bekannt sind natürlich die Weinproduktion auf 108 ha Land und die Pferdezucht. Durch die schmalen Gassen ging es nun hinaus in die schönen Weinberge der Gemeinden Maienfeld und Jenins. Natürlich musste Petrus noch beweisen, dass er am Erfolg dieses Ausfluges beteiligt ist. Um seine Aufmerksamkeit zu erlangen, liess er die Giesskanne für einige Minuten über uns ausleeren. Aber das hatte auf unser Wohlbefinden kein Einfluss und wir erreichten unser zweites Etappenziel. Das Restaurant Bündte in Jenins. Leider mussten wir wegen des kurzen Regens, das Mittagessen im Restaurant statt im lauschigen Garten einnehmen. Bestellt habe ich für meine liebe Theaterfamilie eine Bündnerspezialität „Pizokels mit Apfelmus“. Nach diesem kalorienreichen Essen ging es mit der Rösslipost wieder weiter durch den oberen Stadtteil von Maienfeld Richtung Fläsch. Auf der Fahrt fuhren wir am ältesten Weingut von Europa vorbei.

Kurzgeschichte zum Schloss Salenegg

Im Jahr 950 legte der Priori des Klosters Pfäfers den Grundstein für die Anlage und den Weingarten. Im Jahr 1068 wurde das Schloss mit dem dazugehörenden Weinbergen zum ältesten Weingut Europas ernannt . Seit 1595 wächst auf diesem Weingut Blauburgunder.

1595 Verkauf durch das Kloster Pfäfers an die, aus der Bündnergeschichte, bekannte Familie von Salis. 1654 verkaufte die Familie von Salis das Gut an die Familie von Moos, genannt Gugelberg. Frau Helene von Gugelberg ist heute noch Eigentümerin dieses Weingutes. Sie ist auch Eigentümerin des Hotels Schweizerhof in St. Moritz.

Aber nun weiter: wir kutschierten durch die schönen und wertvollen Weinberge der Gemeinde Fläsch. Diese Gemeinde lebte bis 1970 fast nur von der Landwirtschaft. Im Jahre 1970, anlässlich der grössten Melioration und Güterzuammenlegung in der Herrschaft, wurde festgehalten, dass diese Art der Landwirtschaft für die Gemeinde Fläsch kein wirtschaftlicher Erfolg sein kann, man entschied sich für den Weinanbau. Heute kann man sagen, ein grosses Glück, Fläsch zählt mit seinen erstklassigen Weinen zu den erfolgreichen Weinanbaugebieten der Schweiz. Der Export geht in die ganze weite Welt.

Ja, und so ging es auch auf diesem Ausflug dem Ende entgegen. Pünktlich um 16.30 Uhr erwartete uns der Busfahrer zur Heimfahrt nach Meggen.

 

Noch einige Aussagen zur Bündner Herrschaft

Die Herrschaft ist ein kleiner Teil von Graubünden. Sie gehörte bis zum Jahr 1426 zum Zehngerichtebund. 1471 schloss sich dieser Bund mit dem Grauen Bund und dem Gotteshausbund vertraglich zu einer Schutzgemeinschaft zusammen, aus welcher der heutige Kanton Graubünden entstand.  Zu der Herrschaft gehören die Gemeinden Fläsch, Jenins, Malans und Maienfeld, Maienfeld ist der Hauptort der Bündner Herrschaft.

Meter über Meer            504 m

Fläche                            74 km2

Einwohner                     6‘552

Weinanbau                    350 ha

Rebsorten                      45

Weine                            50

Produktion                     Blauburgunder, Pinot Noir, Riesling x Sivaner, Chardonnay

 

Noch einige Erklärungen zur Schweizer Weingeschichte.

Die Schweizer Weingeschichte beginnt im wunderschönen Graubünden. Das Bistum Chur liess in den Jahren 744 und 745 die ersten Rebstöcke für die Weinproduktion in Ilanz, Felsberg und am Kirchenhügel von Mastrils anpflanzen. Diese Angaben sind belegt. Ein Fenster in der Kathedrale von Chur bestätigt die Geschichte.  Der Weinbau in Ilanz wurde nach einigen Jahren wieder eingestellt. In Felsberg und Mastrils, am Fusse des Churer Stadtberges am Calanda wird heute noch in kleinen Mengen Wein angebaut. Eveline Widmer Schlumpf hat von Ihrem Vater alt Bundesrat Leon Schlumpf ein solches wertvolles Grundstück geerbt. Die erste grosse Anbaufläche wurde erst im Jahr 950 durch das Kloster Pfäfers auf der Anlage Prestenegg, heute Schloss Salenegg, angelegt. Das ist bis heute noch das älteste Weingut in Europa.

Angaben über ein privates Weingut in Fläsch

Alle Geschichten über die Weingüter in der der Herrschaft zu erzählen, würde den Tagesbericht über unseren Ausflug sprengen. Hier als Aussage für viele Weingüter aus der Bündner Herrschaft:

Weingut Gantenbei in Fläsch

Die heutigen Weinbauer legen nicht nur Wert auf ihre Qualität, sie investieren auch in Infrastrukturen. Dieses Gebäude, an dem wir mit der Rösslipost vorbeigefahren sind, bestätigt diese Aussage. Die Aussenwand des Gebäudes ist 320 m2 gross und aus Backstein  gebaut. Die Steine wurden so arrangiert, dass die ganze Fassade transparent wurde. Bei Nacht wirft das Licht im Innern des Gebäudes 72 Bilder zum Thema Rebe an diese Fassade nach aussen . Ist man innen im Gebäude, hat das Tageslicht die gleiche Wirkung nach innen. Dieser Bau ist mit der Piuskirche in Meggen zu vergleichen.

Auf dem Weingut Gantenbein werden seit dem Ausbau der Rebberge durch die Güterzusammenlegung 25‘000 Flaschen Pinot Noir, 5‘000 Flaschen Chardonnay und 1‘200 Flaschen Riesling x Silvaner produziert

Gemeinde Fläsch

Meter über Meer            528 m

Fläche                            20 km2

Einwohner                     593

Weinanbau                    376 ha

Produktion                     Blauburgunder, Pinot Noir, Riesling x Silvaner, Chardonnay

 

Vom 16. bis Ende des 18. Jahrhunderts war Fläsch auch als Badeort bekannt und beliebt wegen seiner schönen Lage, des milden Klimas und seiner guten Weine.

Um das Fläscher Ortsbild, das im Inventar der schützenwerte Ortsbild der Schweiz figuriert, zu schützen und weiterhin zu erhalten, hat Fläsch seine Ortsplanung auf eine für die Schweiz beispielhafte Weise neu ausgerichtet. Gegen anfänglich grossen Wiederstand wurde Bauland im Dorfkern zurückgezont. Die Eigentümer erhielten neues Bauland am Dorfrand. Um die Eigentümer des neu eingezonten Baulandes nicht zu bevorteilen, wurden genaue Werte für Bauland und für Verkaufspreise festgelegt. Dieses Projekt wurde an einer Gemeindeversammlung im November 2008 praktisch einstimmig angenommen. Der Gemeinde Fläsch wurde 2010 für dieses Projekt der Wakkerpreis verliehen.

So jetzt aber Schluss. Ich hoffe ich habe euch einen kleinen Teil meines Heimatkantons zeigen können. Vielleicht macht es Lust auf mehr. Dann kann ich euch nur empfehlen, nehmt eine Reise mit dem Fahrrad oder zu Fuss oder bequem mit dem Auto in euren nächsten Urlaubsplan.


Meggen, 17.06.2013/Peter Storz