2005 Pressebericht

NLZ, Ausgabe vom Montag, 25. Juli 2005

«Der schwarze Hecht»

Megger verleihen altem Stück neuen Elan

1950 wurde das Musical zum ersten Mal uraufgeführt. Die heutige Version wirkt entstaubt. Und kommt beim Publikum gut an.

Das Geburtstagsfest Albert Oberholzers hätte eigentlich stilvoll, in gepflegtem Ambiente und mit einer Überraschung enden sollen. Doch es kam ganz anders. Die Überraschung war letzten Endes nicht das Duett von Tochter Anna und Köchin Kattri, sondern das unerwartete Erscheinen des vor 30 Jahren abgehauenen Alois Oberholzer. In einem Oldtimer taucht er plötzlich mit seiner attraktiven Frau Iduna auf und zieht als Zirkusdirektor Obolski sofort die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Zeitgemässe Arrangements
Die Theatergesellschaft Meggen (TGM) hat das 1950 bei der Uraufführung noch «Feuerwerk» genannte Musical von Paul Burkhard entstaubt. Dies zeigte sie eindrücklich an der Premiere am Samstag. Zudem wurde das Stück vom musikalischen Gesamtleiter Arno Renggli mit zeitgemässen Arrangements ausgestattet. Das kleine, aber leistungsfähige Zirkusorchester unterstützte das Ensemble dabei optimal. Ebenso verstand es Bühnenbildner Fredy Odermatt, die stilvolle Umgebung der St. Charles Hall in Meggen ins musikalische Geschehen einzubinden. Gerissene Lichteffekte sorgten für Stimmung und bildeten einen adäquaten optischen Rahmen.

Ganz besonders aber ist Josette Gillmann-Mahler zu erwähnen, die schon 1997 beim «Schwarzen Hecht» als Regisseurin gewirkt hatte und auch diesmal das Team auf und hinter der Bühne zu einer Topleistung zu motivieren verstand. Hans Duss, Präsident der Theatergesellschaft Meggen brachte mit wenigen Worten alles auf den Punkt: «Wir alle verstehen uns fast blind», sagte er.

Gekonnt stellt die Regisseurin zwei Welten einander gegenüber, die gegensätzlicher nicht hätten sein können: die bürgerlich-bigotte des Oberholzer-Clans und die schillernde des Zirkus Obolski.

Mittendrin steht Anna, die Tochter des Jubilars Albert Oberholzer, dessen 60. Geburtstag mit einer aufwändigen Party gefeiert werden sollte. Nach ihrem Traum entschied sie sich, nicht wie Onkel Alois abzuhauen, sondern den Fischer zu heiraten, der einen Prachts-hecht als Festschmaus in die Oberholzer-Villa gebracht hatte.

Auch bei der Megger Freilichtaufführung standen natürlich Obolski (Guido Zimmermann), der als Zirkusdirektor stimmlich und darstellerisch eine gute Figur machte, sowie Iduna (Yvonne Lenggenhager), die gelegentlich etwas zu brav wirkte, im Mittelpunkt.

Köstlich, die drei Verwandtenpaare Fritz (Alex Gretener) und Berta (Irène Bucheli Gurtner), Gustav (Hans-Jörg Engler) und Paula (Jacqueline Güggi) sowie Jakob (Fred Chiappori) und Lina (Inge Storz), die in Annas Traum (Zirkus Obolski) auch als Raubtiere auftraten und für beste Unterhaltung und viele Lacher sorgten. Als weitere Protagonisten überzeugten Anna (Gabriela Ryffel) und die Köchin Kattri (Monica Duss), während sich Christian Gurtner als Fischer bewährte.


Standing Ovations

Lob erhielt auch das technische Personal, welches innert kürzester Zeit ein Zirkuszelt auf- und später wieder abzubauen hatte. Schliesslich trugen auch die andern Aktiven zum guten Gelingen bei (besonders das Ballett, einstudiert von Lee Wigand). Das Publikum bedankte sich mit einer stehenden Ovation.

HANNES e. MÜLLER